Ausgepowert – ausgeschieden

Das Wichtigste zum Anfang. Die Nachwuchsspieler des EHC Illnau-Effretikon (EIE) realisierten samstags in der Küsnachter KEK dank eines 5:2 Auswärtssieges über GCK Lions den Klassenerhalt bei den TOP-Junioren. Die erste Mannschaft unterlag der weil im Messestadion in Dornbirn dem SC Rheintal mit 0:4 (0:1, 0:1, 0:2) und ist ausgepowert in der Viertelsfinal-Playoff-Serie Best-of-five 1:3 ausgeschieden. Für EIE-Allrounder Michael Grösser war es zugleich das letzte Spiel im EIE-Fanionteam.

Bericht: Heinz Minder, Dornbirn (Österreich)

Samstags um 21:38 Uhr stand die Hockeyuhr der Saison 2016/17 für den EHC Illnau-Effretikon (EIE) endgültig still. Nach 30 Ernstkämpfen über 18 Gruppen- zwei Cup, vier Achtels- und vier Viertelsfinalplayoff-Partien, insgesamt 84 Hockeydrittel, zwei Verlängerungen mit Penaltyschiessen und zwei Spiele über die Overtime (total 1578 Minuten und 44 Sekunden reine Spielzeit mit 84 Drittel, wovon der EIE deren 38 zu gewinnen vermochte, 21 Mal Remis spielte und 25 an den Gegner verlor), kam die plötzliche Leere.

Abschied für Miha Grösser

Für einen Spieler war es gleichzeitig der letzte Auftritt im Dress der ersten EIE-Mannschaft, für die er über 210 Ernstkämpfe bestritt. Michael Grösser, will, weil es seinem Namen entspricht und der Aufwand für die Spieler von Jahr zu Jahr grösser wird, zurückziehen. 2004/05 kam Grösser auf Leihbasis vom EHC Winterthur, wo er insgesamt ein volles Dutzend Erstliga-Einsätze bestritt, zum EIE. Für die Saison 2005/06 und 2006/07, dann allerdings nur noch mit einem  Elite-B Spiel in Winterthur, vollzog er noch in de gleichen Saison den definitiven Wechsel zu Illnau-Effretikon. In Effretikon wurde „Miha“ Grösser zum Stammspieler und Leistungsträger und dank seiner Vielseitigkeit sowohl als Verteidiger, wie auch als Stürmer einsetzbar.

Brasser Opfer von Schawalders Foulspiel

Oper der teils überharten, ja unfairen Gangart wurde Yves Brasser. In der 45. Minute führte Rheintals Dominik Schawalder wieder einmal einen seiner gefürchteten und meist unfairen Körperattacken auf den Gegner aus. Im ersten Spiel in Effretikon bereits mit Bandencheck und im zweiten Spiel vom vergangenen Dienstag in Widnau mit einem Check von hinten sehr negativ aufgefallen, nahm der Einhundert-Kilo-Mann diesmal, ohne Rücksicht auf Verlust, mit einem Check gegen den Kopf Yves Brasser ins Visier. Der EIE-Spieler renkte sich bei dieser äusserst hinterhältigen Attacke noch die Hüfte aus und musste sich in Spitalpflege begeben (44:49). Es war nicht der erste üble Zwischenfall mit Dominik Schawalder, den die Unparteiischen und die Mitglieder der Schiedsrichter-Kommission sich nun wohl endgültig notierten. Im Interesse der kommenden Gegner und Partien bleibt zu hoffen, dass ein solcher „Spieler“ aus dem Verkehr genommen wird.

EIE kräftemässig ausgelaugt

Was dem EHC Illnau-Effretikon donnerstags im zweiten Heimspiel so ausgezeichnet gelang, Rheintal mit unbändigem Einsatzwillen mehr als nur zu fordern und die erste Linie des Gegners praktisch neutralisieren zu können und dazu noch sämtliche Überzahlsituationen schadlos zu überstehen (nur letzteres gelang), schaffte der sichtlich kräftemässig stark angeschlagene EIE im vierten Spiel in Dornbirn nicht mehr. Die Zürcher Oberländer mussten ihrer Effortleistung vom Donnerstag Tribut zollen. Zwar zeigte auch Rheintal im Messestadion Dornbirn bei weitem nicht mehr jene starke Kollektivleistung wie in der ersten Viertelsfinal-Playoff-Partie, doch schien Rheintal in seinem Heimspiel auf auswärtigem (österreichischen) Terrain doch noch über etwas mehr Stehvermögen zu verfügen.

Trotz allem gute Saison gespielt

EIE-Trainer Dieter Wieser war trotz der verlorenen Partie und des Ausscheidens „mehr als zufrieden mit meiner Mannschaft. Wir haben heute das Tor nicht gemacht. Wir haben gesamthaft gesehen eine sehr gute Saison gezeigt, eine starke Qualifikation gespielt, sind in die Playoffs gekommen und haben nun zuletzt auch Rheintal über vier Partien hart gefordert“. Er sei wirklich stolz, „was wir heuer geleistet haben und darum gilt es mein Riesenkompliment an meine Mannschaft aus zu sprechen“.

Geistige Müdigkeit und fehlende Spritzigkeit

Dass es am Schluss in Dornbirn für Illnau-Effretikon nicht reichte, hatte seine Gründe darin, dass den Zürchern über das ganze Spiel gesehen, die absolute Spritzigkeit fehlte. Hinzu kam vielleicht auch noch eine gewisse mentale Müdigkeit, welche sich entscheidend auf die Beine (und Arme) auswirkte. So kam der Kopf in einigen Szenen nicht mehr reaktionsschnell mit. In der Folge mussten die EIE-Spieler nicht nur dem Gegner, sondern bereits einem schnellen und frühen Rückstand nach rennen. Rheintal, das sicherlich auch nicht über alle Zweifel erhaben schien, hatte aber die individuell stärkeren Einzelspieler, welche ihr Team mitreissen konnten, dazu natürlich wie befürchtet und erwartet ihre erste Paradelinie Ströhle/Holenstein/Breitenmoser, welche den Match riss. Doch auch Captain Sascha Moser, Center der zweiten Linie, zuletzt in Effretikon nach dem Startdrittel noch angeschlagen, trumpfte zusammen mit Stefan Stebel nochmals auf und erzielte letztlich zwei der insgesamt vier Treffer.

Wildes Gestocher zum 0:1

Apropos Treffer – apropos 1:0. Rheintal hatte Anlaufprobleme doch zu Beginn des Spieles verpasste es der EIE durch Förderreuther und Sommer gar wiederum den ersten Nadelstich setzen zu können. Nach einem wilden Gestocher vor Volkart zappelte der Puck nach 273 Sekunden bereits erstmals im Netz. Theo Sutter, Center der dritten Linie hatte die Scheibe über die Linie gestochert. Für Wieser ein mehr als fragwürdiges Tor: „Da wurde unserem Torhüter gleich vier Mal mächtig auf die Finger geklopft“. Doch weil der Puck für die Spielleiter wohl noch „spielbar“ war, erfolgte kein Unterbruch. „Eine entscheidende Szene“, so der EIE-Headcoach weiter. „Vier Mal wurde mächtig rein geschlagen. Mit dem 0:1 ging das Herz meiner Mannschaft zu“. Oder anders ausgedrückt, wie es Wieser dann sagte: „Wäre uns das 1:0 gelungen, wäre das Herz meiner Truppe aufgegangen und wir hätten wohl Rheintal nochmals stark fordern können“. So allerdings wusste jeder einzelne EIE-Spieler, dass nun wieder eine mehr als einhundertprozentige Quote in allen Bereichen nötig sein würde. Doch nötige Leistungssteigerung schaffte Illnau-Effretikon in Dornbirn nicht mehr.

Einiges missglückt und vieles nicht gelungen

Offenkundig war, dass Illnau-Effretikon einiges missglückte und vieles nicht gelang. Die quirligen Gegner konnten selten wunschgemäss gestoppt werden. Immer wieder konnte Rheintal den Einen oder anderen seiner Spieler gefährlich frei vor Volkart postieren. Oftmals war es nur Rheintals Eigenverschulden zu zuschreiben, dass keine weiteren Treffer fielen. Der EIE hatte diesmal Mühe, den Puck aus dem eigenen Drittel zu bringen, oder spedieren zu können und hatte zahlreiche Scheibenverluste bereits in der eigenen Vorwärtsbewegung und in der neutralen Zone zu vermelden. Obschon die Gäste zu einigen Möglichkeiten vor Metzer kamen, zeigte Rheintals Keeper diesmal keine Schwächen und liess sich nicht wieder wie donnerstags erwischen.

Rheintals knallhartes Körperspiel

Rheintal führte wieder, wie im ersten Match, sein knallhartes Köperspiel aus und ging konsequent und abermals kompromisslos und konstant auf den scheibenführenden EIE. Und der EIE harmonierte diesmal schlechter als am Donnerstag und versuchte sich immer wieder mit blinden Zuspielen, welche meist als klassische Fehlpässe auf dem Stock des Gegners endeten. Nun. Wie gesagt, Rheintal war ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben und sündigte wieder im Abschluss. Bei Spielmitte, hatte Illnau-Effretikon starke Momente. Fäh und Förderreuther, sowie Brockhage mit Powerplay mit einem Schuss aber der blauen Linie (Ausschluss Nicolas Paul), hatten nun ihre Chancen zum Ausgleich.

Erste Rheintal-Linie sticht

Dann fiel vielleicht das vorentscheidende 2:0. Wiederum hatte Rheintal seine Spieler vor Volkart posiert. Rheintals-Paradesturm kombinierte nun. Holenstein auf Breitenmoser, dieser links auf Ströhle. Den zweiten Treffer nach 34:21 hätte Illnau-Effretikon allerdings noch wegstecken können, wäre den Gästen das an diesem Abend so enorm wichtige erste Tor gelungen. Besagter Anschluss verpasste Sommer, vor Metzler (37.), ebenso Bolli, nachdem zuvor Sandro Bartholet an Volkart mit dem 3:0 gescheitert war. Weil das Treffen dann aber lange „nur“ 0:2 aus der Sicht des EIE stand, lag noch einiges drin für Illnau-Effretikon. Überraschend viele Strafen kassierte Rheintal und bei den wenigen Überzahlphasen Rheintals musste der EIE wiederum (wie donnerstags im Eselriet) keinen Powerplaytreffer einstecken.  

Das Schlussdrittel war dann überschattet vom leidigen Auftritt von Dominik Schawalder, dessen fragwürdige Bandenchecks oftmals an- oder über der effektiven Grenze der Legalität sind. Indiskutabel dann der Check gegen den Kopf von Yves Brasser, welcher zum vorzeitigen Ausscheiden des EIE-Verteidigers (ausgerenkte Hüfte) führte und Schawalder berechtigterweise zum frühen Duschen in die Garderobe schickte (44.49).

Alles oder nichts

All – or nothing. Wieser pokerte in der Schlussphase hoch. Verständlich. Illnau-Effretikon hatte nun absolut nichts mehr zu verlieren und wollte vehementer Natur doch noch den erlösenden ersten Treffer. Doch dann schlug Rheintals erste Linie wieder zu. Nachdem er zuvor noch an Volkart gescheitert war, drehte Sascha Moser ab, fuhr zurück und nahm nochmals Anlauf. Im exakt richtigen Augenblick kam dann das Zuspiel von Holenstein auf seinen Captain, welcher vom Bereich des linken Postens aus zum 3:0 einschiessen konnte (51.). Nun resignierten die Gäste. Sie merkten wohl, dass es an diesem Tag schier unmöglich war, einen Drei-Tore-Rückstand noch aufholen zu können. Dieter Wieser nahm sein Time-out (55:52) und liess Torhüter Dennis Volkart bereits auf der Bank. Mit einem Schuss weit mehr als über das halbe Feld ins leere Tore, realisierte abermals Moser einen Treffer – es war letztlich der 4:0 Endstand.

Noch den Torhüter raus beim 0:3

„Wir haben nochmals alles versucht“, so Dieter Wieser, der auch etwas mit den Schiedsrichtern haderte und bei einem Gegentreffer feststellte, dass „Rheintal in jener Aktion mit sechs Feldspielern agierte. Schade, das und einiges hätten die Schiedsrichter unbedingt sehen müssen“. Nun. Der EIE hat sicher nicht wegen den Unparteiischen verloren, doch es stellt sich wohl die berechtigte Frage an den Verband, warum in der Zweitliga, wo das Tempo in den letzten Jahren gewaltig zugenommen hat und längst Erstliga-Niveau wie vor zehn Jahren erreichte, gerade in noch intensiveren Playoff-Partien immer noch nur mit zwei Schiedsrichter geleitet wird. Umso mehr man häufig nach den Partien von den Unparteiischen die Entschuldigung zu Ohren bekommt, man habe eben in dieser und jener Szene nicht alles sehen können.

Nun: Die Saison 2016/17 gehört für den EHC Illnau-Effretikon der Vergangenheit an. „ich hätte nicht gewusst, wie ich bei einem weiteren, fünften Spiel am kommenden Dienstag im Eselriet wieder eine schlagkräftige Truppe hätte formieren können“, so Dieter Wieser, der sich aber daran erfreuen konnte, dass „wir den Viertelsfinal gegen Rheintal keinesfalls kampflos abgeben mussten“.

 

Rheintal – Illnau-Effretikon 4:0 (1:0, 1:0, 2:0.- Messestadion Dornbirn.- 387 Zuschauer.- SR: Philipp Kaufmann/Philipp Buff.- Tore: 5. Suter 1:0. 35. Ströhle (Breitenmoser/Holenstein) 2:0. 52. Moser (Holenstein/Breitenmoser) 3:0. 56:55 Moser (Diener, ins leere Tore) 4:0.- Rheintal: Metzler (Lütscher); Paul, Obrist; Diente, Dario Bartholet; Savbanovic, Berweger; Ströhle, Holenstein, Breitenmoser; Pfeiffer, Moser, Strebel; Knöpfel, Sutter, Binder; Bärtsch, Sandro Bartholet, Schwalder; Stoop.- Illnau-Effretikon: Volkart (Locher); Mirco Weinhart, Nicola Gretler; Gabriel Gretler, Brockhage; Grösser, Brasser; Fäh, Förderreuther, Cristelotti; Sommer, Korsch, Golob; Vögeli, Bolli, Andersen.- Strafen: Rheintal 10-Mal Zweiminuten; plus 1-Mal Fünf-Minuten plus Spieldauer-Disziplinarstrafe (Schwalder, Check gegen den Kopf); Illnau-Effretikon 7-Mal Zweiminuten, plus Penalty (47:36/Breitenmoser verschiesst Penalty links am Tor vorbei).- 44:49 EIE-Verteidiger Yves Brasser scheidet nach Schawalders Check gegen den Kopf mit ausgerenkter Hüfte vorzeitig aus und muss in Spitalpflege.- 52:07 Time-out Illnau-Effretikon.- 55:52 Illnau-Effretikon ohne Torhüter Dennis Volkart/dafür mit weiterem Feldspieler; 56:55 Rheintals Captain Sascha Moser trifft ins leere Tore zum 4:0 (EIE ab diesem Zeitpunkt wieder mit Volkart).- Bemerkungen: Illnau-Effretikon ohne Joel Stücheli gleichzeitig Junioren-Top Einsatz in Küsnacht gegen GCK Lions), Diego Muspach, Dario Högger und Christoph Weinhart (alle verletzt); Lorenz Kuhn und Justin Wieser (ebenfalls verletzt/vorzeitiges Saisonende).- 2. Liga-Playoff-Viertelfinal, Endstand in Best-of-five Serie: Illnau-Effretikon – Rheintal 1:3.- Samstag, 4. März 2017 somit Saisonende 2016/17 für die Spieler des EHC Illnau-Effretikon (EIE).

 

 


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