EIE gewinnt erstes Testspiel dank kontinuierlichen Steigerung

Vom 1:3 (19.) und 2:4 (43.) Rückstand zum 5:4 (1:3, 1:0, 3:1) Sieg über Kreuzlingen-Konstanz – die Testspiel-Premiere des EHC Illnau-Effretikon für die Saison 2017/18

Bericht: Heinz Minder, Bodensee-Arena - Kreuzlingen

Selten so interessant war das erste Testspiel des EHC Illnau-Effretikon (EIE) vor einer neuen Saison. Selten so erwartungsvoll und ungewiss präsentierte sich der EIE vor einer Testspiel-Premiere. Es waren heuer weniger die neuen Spieler, wie beispielsweise die Neuverpflichtungen wie der hochgewachsene Verteidiger Lukas Wimber (Jahrgang 1997/ex Winterthur Elite-B), oder die neuen Offensivkräfte Oliver Lüthi (1994/Wallisellen), oder EIE-Rückkehrer Tizian Müller (1991, der im letzten Winter in Finnland spielte), oder Lorenz Kuhn und Justin Wieser, die nach langer Verletzungspause ein vielversprechendes Comeback gaben. Im ersten Vorbereitungsspiel fehlten in Kreuzlingen Luca Frei, Mirco Weinhart, Claudio Beltrame und Marc Andersen. Dass das gastgebende Kreuzlingen-Konstanz, das in der vergangenen Meisterschaft 2016/17 im Playoff-Viertelsfinal nach einer 3:1 Serie Luzern im Achtelsfinal eliminiert, am zweifachen Regionalmeister Dürnten Vikings (0:3) scheiterte, bereits ein erstes Testspiel 2:6 (1:1, 0:2, 1:3) gegen Erstligist PIKES Oberthurgau in den Beinen hatte und deshalb einen leichten Vorteil auf seiner Seite zu haben schien, davon liess sich Illnau-Effretikon nicht beirren.

No Tolerance

Vielmehr aber machte man sich im EIE-Lager bereits viele Tage vor dem ersten Test grosse Gedanken darüber, wie die Schiedsrichter das «No Tolerance» Regelwerk heuer nun auch in der Zweitliga interpretieren und auslegen würden. Was durfte und konnte und kann sich inskünftig ein Zweitliga-Hockeyspieler in einem Match überhaupt noch leisten. Jegliche Interventionen der Spieler mit dem Stock gegen den Gegner werden inskünftig hart und kompromisslos mit Stockschlag geahndet. Auch Sperren der Spieler werden härter mit Behinderung gepfiffen. Dass die zwei Schiedsrichter nun auch in der Zweitliga noch mehr pfeifen werden und die Mannschaften noch mehr Strafen kassieren, scheint folglich logisch. Was es aber wirklich in einem Spiel «verträgt», dessen war man sich im EIE-Lager vor Spielbeginn nicht bewusst. Trainer Dieter Wieser hatte sich bereits anderweitige Vorbereitungspartien angesehen und war etwas erstaunt, wie konsequent, für die Spieler vielleicht kleinlich, die Spiele mit entsprechend vielen Strafen, geleitet wurden.

Spieler mental vorbereitet

Dieter Wieser und Urs Wegmann bereiten seit Tagen ihre Spieler auf die Interpretation des Regelwerkes vor. Auch mit speziellen Videos versuchten die Teamverantwortlichen ihre Akteure auf die kommenden Zweikämpfe zu sensibilisieren. Was ist noch erlaubt? Was geht inskünftig gar nicht mehr? Für die EIE-Spieler war das erste Treffen in Kreuzlingen anfangs wie eine Wanderung auf schmalem Grat mit dem Ausgangspunkt, dass einiges im Vergleich zur letzten Saison inskünftig wohl auf dem Eis nicht mehr gehen wird.

Instruiert

In Kreuzlingen wurden vor Spielbeginn die beiden Zweitligisten durch das Schiedsrichterduo Boris Ehrbar und Urs Stobbies nochmals auf die bevorstehende strengere Spielleitung instruiert. Kaum war das Treffen in der Bodensee-Arena angespielt, gab es auch nach 54 Sekunden bereits den ersten Ausschluss für Janis König – wegen Behinderung. Wie nachfolgende bei praktisch allen ausgesprochenen Strafen, erklärten die Schiedsrichter den jeweiligen «Sündern», war sie nun in der eben abgepfiffenen Situation auf die Strafbank mussten. Dann erwischte es auch die EIE-Spieler. Nach Oliver Lüthi (2:24) folgte als Doppelausschluss die Strafe für Neuverpflichtung Lukas Wimber (3:49) und dem dritten Ausschluss für Fabian Brockhage (5:01), notabene alle wegen Stockschlages. Den Ausschluss des routinierten EIE-Verteidigers Brockhage nutzte Kreuzlingen-Konstanz dann durch Mauro Forster zum Führungstreffer des Heimklubs (6:22).

Doppelausschlüsse

Dann waren die Platzherren wieder an der Reihe. Kreuzlingen-Konstanz kassierte ebenfalls in kurzer Zeit von knappen fünf Minuten drei «Zweier». Somit kam Illnau-Effretikon, bei Doppelausschluss von Brunella/Schürch gar zu einer 5:3 Überzahlsituation. Diese konnte der EIE aber noch nicht ausnutzen. Bei den Zürcher Oberländern klappte im Startdrittel erwartungsgemäss noch nicht alles wunschgemäss. Verständlich, dass die Automatismen nach lediglich drei 90minütigen Einstrainings-Einheiten nicht bereits perfekt funktionieren konnten. Doch die Ansätze waren vielversprechend und die EIE-Spieler waren bereits schon «recht flott» auf den Schlittschuhen unterwegs.

Rustikale Teams gehen harten Zeiten entgegen

Bereits die ersten Spielzüge brachten die ersten wichtigen Erkenntnisse – welche sich dann im weiteren Verlauf auch bestätigten: Technisch starke und läuferische Mannschaften werden in der neuen Saison 2017/18 gegenüber spielerisch limitierten Teams, welche mit teils rustikalem Körpereinsatz (Tessiner und Zug II) zu brillieren versuchten, oder eben den Gegner mit derartigen unorthodoxen Methoden aus dem Konzept bringen wollen, krass im Vorteil sein. Kommt hinzu, dass dem Überzahlspiel noch mehr Gewicht zu geschrieben werden muss. Gegnerische Strafen, welches es – wie der erste EIE-Test zeigte – unweigerlich geben wird, kann (und muss) ein Powerplay starkes Team zum entscheidenden Eigenvorteil nutzen können. Andererseits ist konträr auch ein gut funktionierendes Boxplay gefragt. 

EIE-Spieler motiviert

Im Kreuzlinger-Test gab es beidseits mehrfach 5:3 Überzahl-Situationen- Solche Phasen kann ein cleveres und routiniertes Team nutzen. Das Powerplay klappte beidseits noch nicht, was keineswegs alarmierend sein muss, denn die Teams stecken erst in ihrer ersten Phase und haben noch genügend Möglichkeiten, sich im Überzahlspiel zu steigern. Erfreulicherweise zeigten sich beim EIE bereits zahlreiche Spieler in guter, ja starker Verfassung und scheinen ihre Grundschnelligkeit mit durch den Sommer genommen zu haben. Markus Cristelotti (Lüthi/Nicola Gretler) egalisierten bei Ausschluss Marco Schürch (Spielverzögerung weil er die Scheibe in Unterzahl und Strafe von Brunella aus dem Feld spedierte), zum 1:1 Ausgleich (11:30), doch Kreuzlingen-Konstanz konterte postwendend und holte sich innerhalb einer Minute die abermalige (2:1) Führung durch Gian Forster. Dann mussten Tizian Müller und Andreas Giacomelli fast zeitgleich in die Kühlboxe. Eine Sekunde vor Ablauf der Müller-Strafe markierte dann Jerome Merz im 5.3 Powerplay das 3:1 der Grenzstädter, gleichbedeutend des ersten Drittelresultates. Beim Gang in die erste Pause auch hier wieder viele Gespräche zwischen den Spielern und mit den beiden Schiedsrichtern, die sich kollegial bemühten, den beiden Mannschaften das konsequente Ahnden der Einsätze, respektive Regelverstösse, zu erklären.

Manöverkritik beim Pausentee

Bei der ersten Manöverkritik beim Pausentee kannten die EIE-Spieler nun ungefähr, was es leiden konnte und was nicht. Einige Akteure zeigten sich weniger begeistert darüber, «wie kleinlich inskünftig gepfiffen wird» - andere waren noch immer auf der Suche nach jenem Punkt, zu welchem man wirklich gehen konnte. Es war jedoch klar festzustellen, wie gut sich die EIE-Spieler auf die neue Situation eingestellt hatten, weil sich durch ihre Teamverantwortlichen auch intensiv darauf vorbereitet wurden. Jedenfalls überstand Illnau-Effretikon – man konnte sich darüber auch wundern – mit entsprechender Sensibilisierung – das Mitteldrittel ohne weitere Ausschlüsse. Kreuzlingen hingegen kassierte drei weitere Strafen. Kurz nach Halbzeit (31:40), wechselten beide Mannschaften ihre Torhüter aus. Beim Heimklub kam nun Michael Ströbel anstelle von Robin Heeb. Beim EIE überliess Dennis Volkart nun den Platz für Joel Stücheli. Volkart hatte in der Anfangsphase zahlreiche starke Paraden gezeigt, war aber am zwischenzeitlichen 1:3 Rückstand seiner Farben machtlos.

EIE-Geschenk an Gastgeber

Stücheli zeigte ebenfalls gute Interventionen und fügte sich lückenlos ins EIE-Spiel mit ein. Kurz nach den beiden Torhüter-Wechsel verkürzte Illnau-Effretikon mit Marco Vögeli (Lüthi/Brasser) zum längst fälligen 2:3 Anschlusstreffer (34:56). Längst fällig, weil die Oberländer wie bereits angesprochen läuferisch bereits stark und schnell unterwegs waren und sich so viele Offensiv-Möglichkeiten kreierten, doch vorerst noch etwas Mühe im Abschluss offenbarten. Doch Illnau-Effretikon steigerte sich mit jeder Minute kontinuierlich. Anfangs Schlussdrittel profitierte Kreuzlingen-Konstanz von einem krassen EIE-Abwehrgeschenk. Torhüter Stücheli wollte vor seinem Kasten die Scheibe einem eigenen Verteidiger auflegen. Jonas Haselbach reagierte schneller und stocherte den Puck zum 4:2 über die Linie (43.).

EIE mit Temposteigerung

Dann schaltete Illnau-Effertikon im Schlussdrittel einen Gang höher und kurbelte seine eigene Kadenz höher. Mit einem Doppelschlag durch Michael Sommer (Vorlage Captain Thomas Korsch) zum 3:4 und dem Einschuss durch den wieder genesenen Justin Wieser (45.), schaffte der EIE innerhalb knapper zwei Minuten den 4:4 Ausgleich. Nach weiteren Strafen (Kreuzlingen zwei durch Dario Forster und Marco Schürch, dann drei für den EIE für Yves Brasser, Thomas Korsch und Markus Cristelotti (alle wegen «Behinderung») – kassierten die Platzherren in der Schlussphase durch Mauro Forster und Marco Schürch noch einen Doppelausschluss (während 89 Sekunden). Im Powerplay reüssierte dann Marco Vögeli mit seinem zweiten Treffer (Vorlage Förderreuther/Sommer) zum siegbringenden 5:4.

Fazit: Captain Thomas Korsch zeigte sich absolut nicht begeistert für die vielen Ausschlüsse und die Interpretation des Regelwerkes «no tolerance» und fand es schlicht «Katastrophal» und meinte scherzeshalber «das ist ein Grund zum Aufhören». Die Schiedsrichter die einen guten Job machten, fanden es beeindruckend, wie schnell sich Illnau-Effretikon auf die neue Situation einzustellen vermochte.

 

Kreuzlingen-Konstanz (2. Liga) – Illnau-Effertikon (2. Liga) 4:5 (3:1, 0:1, 1:3).- Bodensee-Arena (Konstanz).- SR: Boris Ehrbar/Urs Stobbies.- 40 Zuschauer.- Illnau-Effretikon: Volkart (31:40 Stücheli); Christoph Weinhart, Brockhage; Brasser, Gabriel Gretler; Giacomelli, Nicola Gretler; Wimber; Sommer, Korsch, Kuhn; Vögeli, Wieser, Fäh; Cristelotti, Förderreuther, Lüthi; Müller.- Beim EIE fehlten: Frei, Beltrame, Andersen und Mirco Weinhart.-

Sonntags trifft der EHC Illnau-Effretikon (EIE) in seinem nächsten Testspiel auf Bassersdorf – Klotener Schluefweg/Spielbeginn 20 Uhr.

 


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