Hoher Preis für vierten Sieg in Serie

Das Startrundenspiel zur Saison 2016/17 verlor der EHC Illnau-Effretikon am 1. Oktober beim EV Zug mit 1:6. Nun beglich der EIE die offene Rechnung mit den Innerschweizern. Die Mannschaft von Dieter Wieser schlug das Gästeteam im Eselriet 4:2 (3:0, 1:1, 0:1). Illnau-Effretikon bezahlte allerdings für den vierten Sieg in Folge einen hohen Preis. Wichtige Schlüsselspieler gingen angeschlagen oder verletzt aus dem Fight.

Bericht: Heinz Minder

Es wurde das erwartete Kampfspiel. Die Meinung, Zug habe sich punkto unsauberer Spielweise gegenüber der letzten Saison gebessert, erwies sich als Trugschluss. Einige Charakteren ändern sich wohl nie mehr. Dieter Wieser brachte es nach Spielschluss mit aller Deutlichkeit auf den Punkt. „Zug hätte es gar nicht nötig gehabt, eine solche Härte, ja unsauberes Spiel an den Tag zu legen. Die Innerschweizer haben so viele gute Techniker in ihren Reihen. Es ist wirklich schade, mit welchen Mitteln man versuchte, uns den Schneid ab zu kaufen“. Er, der EIE-Headcoach sei „natürlich mit dem vierten Sieg in Folge sehr zufrieden“. 

EIE-Topskorer Carlo Fäh verletzt ausgeschieden

Vor dem Anpfiff gab es im Lager des EHC Illnau-Effretikon zwei wichtige Meldungen. Eine Positive – und eine Negative. Letztere zum Anfang. Vor Wochenfrist versuchte Bellinzona den gefährlichsten und erfolgreichsten EIE-Topskorer (9 Spiele/9 Tore/7 Assists) mit einem (ungeahndeten) Kniestich unschädlich zu machen. Fäh musste im Tessin im zweiten Drittel nach dem höchst rustikalen Foulspiel auf dem Eis gepflegt werden, kämpfte sich dann durch die Partie. Nun musste der EIE-Spieler zur medizinischen Abklärung seiner Knieverletzung ins Spital zum MRI. „Momentan kenne ich den definitiven Befund noch nicht“, so der EIE-Stürmer in der ersten Drittelspause gegen Zug. Fäh konnte gegen die Innerschweizer verletzungsbedingt nicht mitspielen. „Eventuell eine Bänder- oder gar eine Meniskusverletzung“. Von der Tribüne aus musste der Spieler mit der 83er Rückennummer das Geschehen unten auf dem Eis mitverfolgen und war „erstaunt, was man von aussen so alles sieht“. Fäh schüttelte nur den Kopf über das Einsteigen gewisser Zuger.

Dario Högger mit Joker-Transfer

Mit einem Joker-Transfer ergänzte der EHC Illnau-Effretikon nun sein Kader. Nicht zuletzt deshalb, weil mit (Fäh), Muspach und Winterberger, dazu Kuhn und Wieser (beide mit vorzeitigem Saisonende) einige EIE-Akteure noch länger nicht einsatzfähig sein werden. Ob beispielsweise Diego Muspach in dieser Saison überhaupt noch zu seinem Comeback kommen wird, steht momentan noch in den Sternen. So gelang es dem EIE Dario Högger zu verpflichten. Der 23jährige ist bei Thurgau (U15) gross geworden, Spiele dann bei Winterthur (U17/U20)/Elite B und trug später das Dress von Dielsdorf/Niederhasli und Schaffhausen. Nach einem Abstecher zu Wil (und St. Gallen) debütierte Högger samstags in der dritten Linie mit Center Yves Förderreuther und Marc Andersen.

Führung nach 38 Sekunden

Mit diesem Block nahm Wieser die Partie gegen Zug in Angriff. Der EIE startete fulminant wie ein TGV. Der Zug der Zuger rangierte im ersten Drittel auf dem Stumpen Gleis. Von Yves Förderreuther, der eine überragende Partie bot, zwei Treffer erzielte, davon das 4:1 als eines der wichtigsten Tore in diesem Spiel und zudem noch ein wahrer Prachtstreffer (37.) und Debütant Högger vorbereitet, liess Marc Andersen bereits mit dem ersten Angriff die Scheibe hinter Livio Blaser im Netz zappeln. Verrückt dabei: Lediglich 38 Sekunden waren gespielt. Viele der Zuschauer hatten ihren Stehplatz noch gar nicht eingenommen. 

Zug auf Stumpengleis

Damit war die Begegnung im Eselriet schon mal richtig und ganz nach dem Gusto des heimischen Publikums lanciert. Der EIE spielte weiter zielstrebig und imponierte einmal mehr mit überragendem Kollektivspielt. Der Einsatz jedes EIE-Spielers war hoch. Die Effizienz vor dem gegnerischen Tor auch. Die Einheimischen hatten schnell gemerkt, dass Blaser viele Scheiben nach vorne abprallen liess. Und alle Spieler von Dieter Wieser stellten sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft. Gegen vorne praktizierte Illnau-Effretikon mit läuferischer Präsenz ein äusserst aggressives und höchst wirkungsvolles Forechecking. Damit hatten die Zuger weit mehr Mühe als erwartet. Vielleicht wurden sie vom forschen Auftritt des EIE auch einfach nur total auf dem falschen Fuss erwischt. Vielleicht glaubten die Gäste, das Spiel würde für sie wieder zum leichten Schaulaufen wie das erste Vorrundentreffen. Doch ehe sich das Team von Michael Kress überhaupt einigermassen sammeln konnte, stand es bereits 0:2. 

EIE hinten stabil

Dazwischen hatte Illnau-Effretikon die ersten zwei Ausschlüsse des Spieles (Gabriel Gretler wegen Beinstellens und kurz darauf Yves Förderreuther wegen Ellbogencheck) zu überstehen. Und auch hier, mit einem Mann weniger, zeigte sich die momentane Verfassung der Wieser-Truppe. Das Boxplack klappe, wenn auch mit viel Kraftaufwand, vorzüglich. Zug kam zu seinen ersten Abschlussversuchen. Doch da hatte der EIE wiederum einen Keeper zur Stelle, der zu verhindert wusste, wenn es brenzlig wurde. Dennis Volkart, zuletzt in Bellinzona in drei Spielabschnitten dank disziplinierten Vorderleuten ohne Gegentreffer geblieben, hielt seinen Kasten ein weiteres halbes Spiel schadlos. 

Die Aussage, Kevin Rickli hätte sich bei den Zugern gegenüber den letzten Jahren punkto unsauberer Spielweise stark gebessert, konnte glauben wer wollte. Wer den Zuger-Captain aber bei seinen Aktionen intensiv unter die Lupe nahm, stellte fest, dass Center in vielen Szenen sein Bein absichtlich stehen liess, was von der Hebelwirkung des hochgewachsenen Stürmers fatale Auswirkungen auf seine Opfer hat. Mit allen Wassern gewaschen? Nun. Könnte zutreffen. Ebenso die Ansicht, dass sich gewisse Spieler wo nie in ihrem Leben ändern werden. 

Powerplaytreffer bei Rickli Strafe

Nun. Der EIE versuchte sich voll und ganz auf sein eigenes Spiel zu konzentrieren. Das gelang dem Heimklub fast perfekt. Illnau-Effretikon zeigte ein starkes erstes Drittel. Unbekümmert, mit einer mächtigen Portion Selbstvertrauen griffen die Platzherren an. Nachdem der EIE besagte zweite Strafe schadlos übersanden hatte, musste dann Rickli in die Kühlboxe. Im ersten Powerplay ging alles sehr schnell. Korsch auf Förderreuther – und nach acht Sekunden Überzahlspiel war Rickli schon wieder von der Sitzerei auf der Strafbank befreit, zum Preis allerdings des zwischenzeitlichen 0:2 Rückstandes seiner Farben. Wie beim ersten Treffer hatte Livio Blaser wiederum die Scheibe abprallen lassen. Förderreuther spekulierte richtig, insistierte gegen die abprallende Scheibe und verwandelte resolut (13.). 

Gäste hässig in erste Drittelspause

Mit dem optimal verlaufenen Startdrittel hatte Illnau-Effretikon schon mal fast die halbe Miete eingefahren. Die anfangs Saison noch als anfällig taxierte Defensive, die man als mögliche Achillessehne gewertet hatte, überraschte nun in den letzten Spielen als grundsolide Basis der EIE-Siegesserie. Seit dem mit 0:5 verlorenen Oberlandderby gegen Leader Dürnten, hat der EIE pro Match nicht mehr als drei Gegentreffer kassiert und imponiert inzwischen mit der zweit besten Abwehr der Gruppe 1. So hat Illnau-Effretikon in seinen nunmehr zehn Punktekämpfen lediglich 31 Gegentreffer einstecken müssen. 

Während Zug ab des 0:3 Rückstandes emotional hässig, ja leicht frustriert in die erste Pause schlich und dort durch Coach Michael Kress neu eingestellt wurde, konnten es die Einheimischen schon beschaulicher nehmen. Hätte Kress dann nach den ersten zwanzig Minuten seine Keeper gewechselt, hätte das weniger erstaunt, denn Livio Blaser liess überraschend viele Scheiben nach vorne abprallen, was die EIE-Stürmer aufmerksam nachsetzend auch resolut zu nutzen verstanden. Nun. Kress nahm den Keeper nicht vom Eis. Weder in der ersten Drittelspause, noch später in der Schlussphase, als die letzten zwei Minuten im Eselriet liefen und Zug 2:4 in Rückstand lag. Dafür verlangte der Zuger Headcoach vor Beginn des Mitteldrittels von jedem seiner Spieler „ab jetzt zwei Schritte mehr“.

Gegner auf Distanz halten 

Der EIE, der im Startdrittel ein konsequentes, aggressives, offensives, aber auch kräfteraubendes Forechecking betrieb, wurde im zweiten Abschnitt etwas nachlässiger. Die Frage in der ersten Drittelspause eines EIE-Fans an die Adresse der Spieler, ob sie weitere Treffer schiessen würden, wurde damit beantwortet, dass dies bei diesem Spielstand (3:0) eigentlich gar nicht notwendig sei, man (der EIE) müsse nur schauen, keinen Gegentreffer zu kassieren. Eine richtige, aber auch etwas gewagte Aussage, denn die Zuger wären bei besserer Chancenauswertung zu dem einen- oder anderen Tor fähig gewesen. Kress hämmerte seinen Leuten ein, aus jeder möglichen Situation und Distanz sofort zu schiessen. 

EIE reagiert auf 1:3

Es war dann die erste Zuger-Linie mit Center und Captain Rickli, welche nach Ablauf der ersten halben Stunde, respektive nach Spielmitte, durch Roman Marti zum 1:3 verkürzen konnte. Damit geriet das Spiel nun plötzlich in eine kritische Phase. Denn, ob dem EIE eine Reaktion zum 4:1, oder den Gästen mittels Motivationsschub der2:3 Anschluss gelingen sollte, war für die weitere Entwicklung der Partie richtungsweisend. Als Leandro Blaser zu einem Bodycheck, allerdings mit gestrecktem Bein ansetzte, bejubelten die Zuger diese Aktion, derweil der EIE zur zweiten Powerplaymöglichkeit kam. Hin nun scheiterten Cristelotti, Grösser, Captain Korsch und Vögeli allesamt am Gästekeeper. Was Illnau-Effretikon im Überzahlspiel nicht gelangt, schaffte dann Yves Förderreuther vor Drittelsende.

Förderreuther überragend 

Was für ein Lauf aus der neutralen Zone heraus. Förderreuther liess nach der blauen Linie zwei Zuger stehen, schoss hart und präzis aus Blaser. Dieser liess, natürlich, die Scheibe wieder abprallen. Der EIE-Center der dritten Linie war inzwischen weit nach links abgetrieben worden. Doch Yves Förderreuther kam nochmals in Scheibenbesitz und hämmerte den Puck aus schier unmöglichem, spitzigem Winkel von links exakt in den entfernten rechten Torwinkel. Was für ein Prachtstreffer. Sensationell. Mit dem 4:1, seinem zweiten Tor des Abends, ab Illnau-Effretikon in der kritischen Phase die richtige Antwort. EIE-Trainer Dieter Wieser freute sich nach Spielschluss und sprach davon, dass „wir im Mitteldrittel, das scheinbar eine unsere Schwächen ist, zu passiv waren und den Gegner zurück ins Spiel kommen liessen“. Seine Mannschaft habe das Forechecking vernachlässigt und man habe dem Gegner nur zugeschaut und so dem Gast wieder Luft gegeben. „Glücklicherweise konnten wir mit dem 4:1 doch noch die richtige Reaktion zeigen.

Viele verstecke Foulspiele und neu angeschlagene EIE-Spieler

Die Möglichkeit, wieder einen Drei-Tore-Vorsprung verwalten zu können, machte Zug anfangs Schlussabschnitt zu Nichte, als erneut Roman Marti traf (43.). Die Entstehung des zweiten Gegentreffers war das EIE-Powerplay, denn Felix Stefano musste wegen eines (folgenschweren) Stockschlages auf die Strafbank. Hier nun lief Illnau-Effretikon dem in Unterzahl agierenden Gegner in einen klassischen Konter und kassierte per Shorthander das 2:4. Im Match der vielen verstecken Foulspiele (45. Kevin Diener/ungeahndeter Faustschlag), verpasste Illnau-Effretikon knappe 13 Minuten vor Schluss bei Doppelausschluss von Joss und natürlich Rickli(!) die Resultatverbesserung. Chancen dazu erspielte sich der EIE noch deren viele. Hauptsache war aber, möglichst ohne Verletzungen gegen den teils überharten Gegner aus dem Spiel zu kommen. Kress konnte seinen Torhüter nicht mehr für einen weiterenFeldspieler vom Eis nehmen. „Wir haben seit langem nun vier Mal in Folge gewonnen, müssen für diesen Sieg vermutlich aber wieder einen sehr hohen Preis bezahlen“, so Dieter Wieser. Unmittelbar nach Spielschluss war noch nicht klar, welche zwei bis drei EIE-Akteure wie schwer angeschlagen aus dem Spiel ausschieden und wie hart die Spätfolgen der möglichen Verletzungen sind.

Illnau-Effretikon – Zug 4:2 (3:0, 1:1, 0:1).- Sportzentrum Eselriet (Effretikon).-137Zuschauer.- SR: Gerhard Jörg/Sandro Fausch.- Tore: 00:38 Andersen (Högger/Förderreuther) 1:0. 13. Förderreuther (Korsch, Ausschluss Rickli) 2:0. 14. Vögeli (Gabriel Gretler/Bolli) 3:0. 31. Mari 3:1. 37. Förderreuther 4:1. 43. Marti (Rickli, eigener Ausschluss Felix) 4:2.- Illnau-Effretikon: Volkart (Stüchel); Mirco Weinhart, Gabriel Gretler; Christoph Weinhart, Brockhage; Nicola Gretler, Brasser; Heid, Giacomelli; Högger, Förderreuther, Andersen; Sommer, Korsch, Cristelotti; Vögeli, Bolli, Grösser; Begert.- Zug: Livio Blaser (Pascal Dommen); Arnold, Kunz; Felix, Diener; Thomas Dommen, Gilgien; Leandro Blaser, Rickli, Marti; Studer, Rojas, Joss; Holzner, Emmenegger, Tedesco.- Strafen: Illnau-Effretikon 4-mal Zwei-Minuten; Zug 6-mal Zwei-Minuten.- Bemerkungen: Illnau-Effretikon ohne, Fäh, Muspach und Winterberg (beide verletzt), Kuhn und Wieser (verletzt/beide vorzeitiges Saisonende), Schneider (Militär).- Ersteinsatz von Dario Högger(ex Wil).- 48.30 Time-out EIE; 54.53 Time-out Zug.